Sonntag, 23. Januar 2022

Eine Thailandreise während Corona planen - Koh Samui Sandbox, SHA Plus+ & der Thailandpass

 


Es ist ein ziemliches Hin und Her seitdem Thailand am 01.07.2021 mit der Phuket Sandbox seine Tore -zumindest einen spaltbreit- wieder öffnete. Kurz darauf folgte die erste Version der Samui Sandbox, die jedoch so kompliziert war, dass sie nicht wirklich angenommen wurde. Es fehlte an Flugverbindungen und auch die Konditionen der Sandbox waren nicht sonderlich attraktiv. Ab dem 01.10.2021 wurden die Einreise- und Aufenthaltsbestimmungen dann vereinfacht und am 01.11.2021 war es dann soweit: Thailand führte das sogenannte Test&Go-Verfahren für die Einreise ein: grob gesagt bedeutet Test& Go, dass bei Einreise ein PCR-Test gemacht werden muss (i.d.R. am Ankunftsflughafen), dann muss eine Nacht in einem zertifizierten SHA Plus+ Hotel gebucht werden und wenn der Test negativ ausfällt, kann man am nächsten Tag das Land frei bereisen.
Sowohl Hotel + Transfer + Test mussten vorher gebucht, bezahlt und über den Thaipass angegeben werden.

Diese vereinfachte Einreise sorgte für einen sofortigen Anstieg der Buchungen. Leider währte das "Glück" nicht lange und aufgrund der nahenden Omikron-Welle, beendete Thailand sein Test&Go-Schema am 22.12.2021 wieder und beschränkte die Einreise zunächst auf die Phuket Sandbox.
Bis zu dem Zeitpunkt genehmigte Thaipässe sollten jedoch auch weiterhin unter den Test&Go-Bedingungen einreisen können. Ich war leider zu spät mit meinem Antrag und Phuket kam für mich eigentlich nicht in Frage.
Ich war nie dort und das aus gutem Grund - Phuket ist extrem touristisch, sehr westlich geprägt und vollgestopft mit Pauschaltouristen. Für mich als Backpackerin und Slow-Reisende ist das nichts. Ich mag nicht jeden Tag Ping-Pong-Shows und Bucketsaufen um mich herum haben; Phuket - das ist für mich der Ballermann Thailands (zusammen mit Pattaya - genauso schrecklich).

Da ich aber dringend eine Auszeit brauche, freundete ich mich so nach und nach mit den Bedingungen der Sandbox an - nämlich 7 Tage auf Phuket zu bleiben (naja...bleiben zu müssen) und dann frei im Land weiterreisen zu können. Ich dachte mir, das ist besser als Nichts.
Glücklicherweise wurde relativ schnell bekannt, dass die thailändische Regierung am 04.01.2022 die Situation neu bewerten wird und bald sickerte auch die inoffizielle Info durch, dass 4 weitere Sandboxen im Gespräch seien. Ich hoffte sehr, dass Koh Samui dabei sein würde und hielt es auch für realistisch. Also buchte ich erstmal nichts (btw. meine Flüge Düsseldorf-Bangkok hatte ich bereits seit November und die waren nicht stornierbar, hahaha). Also gepokert, abgewartet und Glück gehabt. Im Januar verkündete Thailand, dass Test&Go zwar vorerst ausgesetzt bleiben würde, Koh Samui aber als Sandbox zurückkommen wird ab dem 11.01.2022. Und das Beste war für mich, dass sie damit nicht nur die Insel selber meinten, sondern das gesamte Gebiet der Suratthani-Inseln, also auch Koh Phangan und Koh Tao - PERFEKT! Denn Koh Phangan, da wollte ich hin!

Kurzer Einschub: ab dem 01.02.2022 wird auch Test&Go unter leicht geänderten Bedingungen wieder möglich sein (Stand: 23.01.2022). Aber das wurde erst bekannt, als ich für die Sandbox schon so ziemlich alles fertig hatte und nicht mehr umplanen wollte.

Also machte ich mich bereit, alles für die Beantragung des Thaipass unter Samui Sandbox-Bedingungen vorzubereiten. Den Prozess werde ich hier schildern, inklusive der Hürden und der Schwierigkeiten auf die ich gestoßen bin.

Aktuelle Übersicht der Einreise-Schemata (Stand: 23.01.2022)
Aktuelle Übersicht der Einreise-Schemata (Stand: 23.01.2022)



Für den Thaipass benötigt ihr folgende Dinge unbedingt:

  •  Einen Scan von eurem Reisepass: Benötigt wird nur die erste Seite mit dem Foto. Der Reisepass muss noch mindestens 6 Monate gültig sein.

  • Vollständiger Impfstatus: Wenn ihr über eine Sandbox oder Test&Go einreisen wollt, müsst ihr vollständig gegen Covid-19 geimpft sein, die letzte/zweite Impfung muss mindestens 14 Tage her sein; dies gilt jedoch nicht für den Booster - da ist egal. Für den Thaipass könnt ihr nicht euren gelben Impfausweis verwenden, ihr benötigt diese EU-Zertifikate mit dem QR-Code, welche ihr ganz easy über die CoVPass-App generieren und als PDF an eure Mailadresse schicken lassen könnt. Ungeimpfte können aktuell nur über das AQ-Schema (Alternative Quarantine) einreisen.

  • Auslands-/Reisekrankenversicherung: die Versicherungsbescheinigung muss auf Englisch ausgestellt sein und es muss daraus hervorgehen, dass die Deckungssumme mindestens 50.000$ beträgt und das Behandlungskosten rund um Covid-19 übernommen werden. Ich bin als TK-Versicherte bereits seit Jahren bei der ENVIVAS reiseversichert und sehr zufrieden, die Versicherung gibt es aber leider wirklich nur für Versicherte der Techniker Krankenkasse. Eine andere gute Versicherung, welche die o.g. Bedingungen erfüllt, ist die vom ADAC. Es gibt aber noch einige mehr, fragt einfach mal bei euren bereits bestehenden nach oder informiert euch online. Wenn ihr euch darum gekümmert habt, lasst euch einen englischsprachigen Versicherungnachweis ausstellen, meist geht das sehr schnell und kommt postalisch zu euch. Habt ihr das erledigt, könnt ihr euch um den nächsten Schritt kümmern:
  • Direktflug in das Sandbox-Gebiet: Hier ist darauf zu achten, dass ihr als Ziel bei der Buchung auch wirklich den jeweiligen Sandbox-Flughafen angebt. Ihr könnt also nicht sowas wie Düsseldorf (DUS)-Bangkok (BKK) buchen und dann nochmal separat Bangkok (BKK)-Koh Samui (USM), weil die gesamten Verbindungen zusammen auf einem Ticket stehen müssen und nicht nur zusammen im Reiseplan. Da hatte ich also mein erstes Problem; ich hatte nur den Flug nach Bangkok bei Emirates gebucht und zwischen BKK und USM fliegt nur eine einzige Airline und das ist Bangkok Airways - die ich nicht einfach nachträglich buchen konnte, weils dann ein anderes Ticket gewesen wäre. Zudem ist der Transitflug nur mit ganz bestimmten Flügen am Tag möglich, da es sich um einen "sealed transfer" handelt, das sind spezielle Flüge in denen dann ausschließlich Sandbox-Reisende sitzen. Aktuell müsst ihr also darauf achten, dass der Weiterflug ab BKK nur mit folgenden Flugnummern möglich ist: PG5125 oder PG5171
    Andere Quellen nennen noch 2 weitere Flugnummern, aber den hier genannten bin ich mir ganz sicher, daher habe ich die anderen weggelassen. Eure Airline weiß das aber ganz genau und einen anderen Flug solltet ihr dort auch gar nicht buchen können.
    Als am 11.01.2022 die Samui Sandbox über den Thaipass wieder buchbar wurde, hatte Emirates diese Flugnummern leider noch nicht im System, ich musste also noch warten. Etwa anderthalb Wochen und 3 Anrufe später hat es dann aber geklappt und ich konnte meinen Hinflug telefonisch so umbuchen lassen, dass der "sealed transfer" dabei war (Zuzahlung ca. 80,- weil der USM Airport privat von Bangkok Airways geführt wird und deswegen etwas teurer ist). Jetzt hatte ich das passende Ticket und eine feste Reisezeit und musste mich als nächstes um die Hotelbuchung kümmern:

  •  7 Nächte in einem SHA Plus+ Hotel mit Transfer und PCR-Test: ab hier wurde es dann kompliziert. Wenn ihr bisher entspanntes Buchen über Agoda oder Booking gewohnt wart, so könnt ihr das an dieser Stelle nahezu vergessen; für mich war das der nervigste Teil der Reiseplanung dieses Mal- und das wo ich den Teil mit der Unterkunftsauswahl im Vorfeld fast am meisten liebe. Aber erstmal eine gute Nachricht zu Beginn: wenn ihr über die Samui Sandbox einreist, euer eigentliches Ziel aber (wie bei mir) Koh Phangan oder Koh Tao ist, so müsst ihr nur die erste Nacht auf Samui bleiben und könnt den Rest der vorgeschriebenen 7 Nächte auch auf Phangan oder Tao verbringen, solange es ein SHA PLus+ Hotel ist. So, nun zu den Hürden:
    Das Problem ist, dass ihr für den Thaipass nachweisen müsst, dass ihr nicht nur die richtige Unterkunft (SHA Plus+) habt, sondern auch vorab den Transfer vom Airport zu Hotel, sowie die zwei benötigten PCR-Tests gebucht und bezahlt habt (beides muss am Ende auch auf der Buchung stehen!) und das kann weder Agoda noch Booking so richtig gut abbilden. Ihr könnt natürlich dennoch eure Unterkunft über diese Portale auswählen und auch buchen, jedoch reichen die dort generierten Buchungsbestätigungen für den Thaipass nicht aus und ihr müsst im Anschluss die Hotels per Mail kontaktieren, damit sie euch mitteilen, welches die nächsten Schritte sind. Für den Thaipass braucht ihr nämlich ein sogenanntes SHA-Zertifikat, was das Hotel separat erstellen muss, nachdem ihr eure Flugnummer, Ankunftszeit und Reisepass übermittelt habt.


    SHA+ Zertifikat
    Mein Problem war, dass die ersten vier (!) Hotels die ich über Agoda auswählte auf meine Nachrichten nicht reagiert hatten, so dass ich meine Buchung im Anschluss immer wieder stornieren musste. Per Empfehlung fand ich dann das Paradise Beach Resort auf Samui, welches ein Sandbox-Paket auf seiner Webseite anbietet, worüber ich dann auch gebucht habe. Die Kommunikation mit diesem Hotel lief dann endlich sehr unkompliziert ab; ich teilte meine Reisedaten und -pläne via Mail mit, schickte meine Passkopie mit und das Hotel buchte mich für den 1. PCR-Test (nach Ankunft am Airport) und den 2. PCR-Test am Tag 6 ein und stellte mir die benötigten Unterlagen für den Thaipass aus. Was ich super fand war, dass sie den zweiten Test auch buchen konnten, obwohl ich nur zwei Nächte in dem Hotel bleiben werde und dann nach Koh Phangan gehe. Sie buchten den 2. Test also automatisch für Koh Phangan - super!
    Mit dem Zertifikat vom ersten Hotel konnte ich das Prozedere dann für das zweite Hotel auf Koh Phangan wiederholen. Auch da zunächst Buchung (diesmal über Agoda, da ich Transfer und Tests ja schon im Sack hatte) und anschließende Kontaktaufnahme; Mitsenden von Reisedaten, Reisepass und Zertifikat des ersten Hotels. Das zweite Hotel stellte dann ein weiteres SHA-Zertifikat aus, so dass ich am Ende zwei Zertifikate hatte, die zusammen den gesamten Aufenthalt von 7 Nächten bescheinigen; es muss also nicht alles auf einem Zertifikat stehen.

    Nun ist alles vollständig und der Thaipass kann beantragt werden!
     
    Den Thaipass könnt ihr hier beantragen. Bereitet im Vorfeld alle eure Unterlagen so vor, dass sie als .jpg - also als Bilddateien- vorliegen; das System akzeptiert aktuell (noch) keine PDF-Dokumente. Zum Antragsverfahren selbst ist an sich nicht viel zu sagen, die Seite ist sehr übersichtlich und führt euch Schritt für Schritt durch den Antrag. Ihr müsst Angaben zur Person, den Flugdaten, der Unterkunft und euren Impf- und Versicherungsstatus machen und natürlich alle Dokumente hochladen. Wenn ihr alles vollständig ausgefüllt habt, schickt ihr den Antrag ab und erhaltet eine Registration-Number, sowie eine Bestätigungsmail. Mit der Nummer könnt ihr euren Antragsstatus prüfen, aber da der Thaipass ohnehin per Mial zugeschickt wird, braucht ihr die Nummer eigentlich nur, wenn ihr nach unüblich langer Zeit immernoch keinen Pass erhalten habt (i.d.R. dauert es 3-7 Werktage) oder wenn ihr nach dem Absenden noch Dokumente und Angaben ändern und ergänzen wollt.
     
    Achtung: der Thaipass-Antrag fragt u.A. auch nach der Nummer des PCR-Test; das scheint keine verpflichtende Angabe zu sein (ich wusste die Nummer meines Tests nicht), ich habe da auf gut Glück die Zertifikatsnummer vom SHA-Zertifikat des ersten Hotels angegeben und sicherheitshalber bei den "additional documents" einen Screenshot des bezahlten PCR-Tests mitgeschickt - hat funktioniert!
     
    Macht euch auf jeden Fall keinen Stress, wenn etwas falsch oder unvollständig ist und er Thaipass abgelehnt wird deswegen; ihr könnt ihn immer nochmal neu beantragen und wenn ihr euch nicht grad in den letzten 7 Tagen vor Abflug erst darum kümmert, kommt auch keine Panik auf :) Ich habe meinen Thaipass etwa einen Monat vor Reiseantritt mittwochs beantragt und samstags schon erhalten. 
     
    Mein Fazit ist auf jeden Fall, dass man sich erstmal in eine andere Vorgehensweise bei der ganzen Buchung reindenken muss, vor allem wenn man es eben gewohnt ist, dass das alles immer sehr einfach und unverbindlich über die gängigen Buchungsportale ging. Das ist jetzt einfach nicht mehr so, weil die Drittanbieter agoda und Booking nunmal keinen Zugriff auf benötigte Hotel-Services haben. Wenn man das aber berücksichtigt und ein bisschen mehr Zeit dafür einplant, ist es alles machbar :)

    Ich hoffe mein Bericht hilft euch weiter!
     
    Weitere nützliche Infos und Hilfe erhaltet ihr auch in der deutschsprachigen Facebook-Gruppe zum Thailandpass: hier! 
    Und speziell zur Samui Sandbox auch auf der Reiseinfoseite "Faszination Südostasien"
     
     
    Gute Reise 💚

 

 

Freitag, 10. September 2021

Backpacking auf Malta: nordafrikanisches Klima meets südeuropäische Lebensart


Auf der Suche nach einem kurzzeitigen Ausweg aus dem deutschen Regensommer 2021, recherchierte ich mich durch europäische Reiseziele, die trotz Pandemie relativ einfach zu bereisen sind und gleichzeitig ein gutes Gefühl von "Fremde" in mir erzeugen können, da Fernreisen auch in diesem Jahr nicht möglich sind und ich dringend einen Tapetenwechel benötigte.

Mit Malta hatte ich mich zuvor nie auseinandergesetzt und so fiel meine Wahl auf den kleinen Mittelmeer-Archipel bestehend aus der Hauptinsel Malta , der kleinen Schwesterinsel Gozo und dem nahezu unbewohnten Comino (offiziell leben hier dauerhaft nur drei Menschen). Der Inselstaat Malta liegt 81km südlich von Sizilien und damit auch in unmittelbarer Nähe zum afrikanischen Festland, was sich im subtropischen, trockenen Mittelmeerklima zeigt. Ich komme mit Hitze sehr gut klar, daher hat mich auch eine Malta-Reise im Hochsommer nicht abgeschreckt. 

Typische Tür auf Malta

Zum Backpacking auf Malta habe ich (verglichen mit Zielen wie Südostasien) erstaunlich wenig Informationen gefunden; es scheint keine Top-10-Backpacking-Destination zu sein, aber individuelles Reisen mit kleinem Geldbeutel ist hier mit etwas Vorplanung absolut möglich. Ich denke, Malta ist einfach zu unbekannt unter diesem Aspekt, denn aus meiner Sicht ist es nahezu perfekt für Backpacking in Europa. Folgendes spricht (neben den kulturellen Vorzügen des Landes) für einen Backpacking-Trip nach Malta:

- Günstige Fortbewegung und kurze Wege

- Charmante Hostels, Homestays und AirBnB's

- Preiswert Essen & Trinken

- Viele kostenlose Aktivitäten, z.B. wandern in atemberaubender Natur

Die Anreise auf Malta erfolgt entweder via Direktflug aus vielen deutschen Städten oder ist per Fähre von Sizilien aus möglich, wenn man seine Malta-Reise mit Italien verbinden und Flugmeilen reduzieren möchte. Ich bin mit Air Malta vom Flughafen Düsseldorf aus geflogen, der Flug dauert keine 3 Stunden.
Der große Vorteil von Malta ist seine geringe Größe, hierdurch erübrigt sich u.A. das Problem, welches man bei der Ankunft an einem Flughafen immer hat: "Und wie komme ich jetzt zu meiner Unterkunft?" Diese liegt schlimmstenfalls nämlich dutzende Kilometer weit entfernt vom Flughafen. Das passiert einem auf Malta nicht, die Insel ist nur wenige Kilometer lang und der Flughafen von jedem Ort  in max. 20 Minuten zu erreichen. Wenn du keinen Transfer mit deiner Unterkunft ausgemacht hast, kannst du dir ein eCab nehmen, die sind wesentlich günstiger als die normalen weißen Taxis und du kannst sie dir einfach über die eCab-App bestellen. Dank Standortermittlung holt dich das eCab einfach dort ab wo du gerade stehst, eine Adresseingabe ist nicht notwendig - nur deine Zieladresse solltest du kennen, hierfür reicht in der App aber auch die Eingabe des Namens deiner Unterkunft - super easy also!
Wenn dir das noch zu teuer ist, kannst du am Flughafen auch einfach in den Bus steigen; es fahren mehrere Linien zu nahezu jedem Ort. Busfahren ist auf Malta besser als in jedem anderen Land das ich kenne (einschließlich Deutschland). Es gibt unheimlich viele gut organisiert und getaktete Verbindungen, sehr viele Direktlinien, die zahlreiche Ort ohne Umstieg anfahren und es ist wahnsinnig preiswert (eine einfache Fahrt kostet 2 EUR, egal wohin).Wenn du dich auf Malta mit dem Bus fortbewegen möchtest, solltest du dir die Tallinja-App aufs Smartphone laden, sie zeigt dir über die Standortermittlung immer die nächsten Bushaltestellen im Umkreis, inkl. der dort abfahrenden Linien und ihrer Zeiten an. Wenn du ein paar Tage auf Malta unterwegs sein wirst, kannst du dir auch eine ExploreCard holen, damit sparst du nochmal Geld. Es gibt verschiedene Varianten, ich hatte die 7-Tages-Karte für 21 EUR, mit der ich unbegrenzt fahren konnte. Die Karten gibt es an jedem Busbahnhof zu kaufen und so einen hats praktisch in jeder Stadt.

Unterkünfte gibt es auf Malta zahlreich und in jeder Kategorie und Preisklasse. Vom Luxus-Spa-Resort über All-Inclusive-Ballerburg bis zu einfachen Hostels ist wirklich alles dabei. Ich buche immer über Booking.com oder AirBnB und mag auf Reisen eine Mischung aus sozialen Hostels, privaten Homestays und Bed & Breakfast. Für Malta und Gozo kann ich drei Unterkünfte von Herzen empfehlen:

Balluta Bay, St. Julians's 

1. Inhawi Hostel, St. Julian's (Malta)
Ein sehr schönes Hostel mit Pool in perfekter -aber ruhiger- Lage fußläufig zum kleinen Sandstrand Balluta Bay. Das Frühstück ist inklusive und das Bett im 12er-Schlafsaal gibt es ab 11 EUR pro Nacht, ein Einzel- bzw. Doppelzimmer mit eigenem Bad schon ab 33 EUR pro Nacht. Der Staff ist wahrnsinnig nett und hilfsbereit, das ganze Haus sauber und sehr gut ausgestattet (Gemeinschaftsräume, Co-Working-Area, ausgezeichnetes WiFi, Küche, Kaffee- und Snackautomaten, Garten mit Hängematten und tolle Pool-Area). Auch die nächste Bushaltestelle ist nur einen Steinwurf entfernt; von hier aus lassen sich Ausflüge oder Spaziergänge an der Promenade sehr gut unternehmen. Spinola Bay mit seinen vielen guten Restaurants ist ebenfalls fußläufig erreichbar. Ebenso wie das Ausgehviertel Paceville.



Hafen von Marsaxlokk

 2. Mangion House, Marsaxlokk (Malta)
Da der Fischerort Marsaxlokk bei einer Malta-Reise keinesfalls fehlen darf, sollte man hier unbedingt ein paar Nächte einplanen. Das Homestay von Host Salvu Mangion hat mir besonders gut gefallen. Hier wohnt man in unmittelbarer Nähe zum malerischen Hafen und Strand zusammen mit dem Gastgeber in seiner gemütlichen Wohnung mit Dachterasse. Salvu hat viele Jahre im Ruhrgebiet gelebt und spricht fließend deutsch, englisch und maltesisch und ist einer der besten Gastgeber, die ich auf Reisen je hatte. Hier kommt man als Fremder und geht als Freund! Es gibt ein sehr gutes inkludiertes Frühstück, WiFi, Airport-Transfer, geräumige Zimmer mit Aussicht und natürlich Salvus charmante Gesellschaft wenn man möchte - er zeigt dir sein Marsaxlokk und Malta, kennt die Insel wie seine Westentasche und erzählt und zeigt dir auch Dinge die in keinem Reisenführer stehen. 

Das Zimmer gibt es hier schon ab 56 EUR die Nacht über Booking.com. Der Host kann aber für individuelle Absprachen/Buchungen auch direkt kontaktiert werden: +356 99368896 (Mobile/WhatsApp) oder salvumangion47@gmail.com

La Gozitaine, Blick von der Dachterasse
 

3. La Gozitaine, Kercem (Gozo)
Wer zentral zu Gozos Hauptstadt Victoria aber dennoch ruhig und ausgesprochen schön wohnen möchte, ist im Bed & Breakfast "La Gozitaine" perfekt aufgehoben. Das liebevoll geführte Haus der beiden Gastgeber Valerie und Jean-Pierre, die dort auch selber wohnen, hat nur 4 Zimmer und jedes ist wunderschön und außergewöhnlich eingerichtet. Das romantische Gebäude ist über 400 Jahre alt und Spuren seiner Geschichte sind überall zu erkennen; ich habe die Zeitreise geliebt als ich hier gewohnt habe. Durch die verwinkelte, maltesische Bauweise gibt es mehrere kleine Dachterassen, von denen aus man den Sonnenuntergang beobachten kann. Valerie zaubert ein tolles, gesundes Frühstück und bietet auch täglich ein frisches, selbstgekochtes 3-Gang-Abendessen für nur 20 EUR an; alle begleitenden Getränke sind for free. Die Zimmer werden täglich gereinigt, es gibt frisches Wasser, Tee, Kaffee und einen Wasserkocher auf dem Zimmer. Die Pool-Area verfügt über Liegen, Schirme und einen Jacuzzi. Eine ganz tolle Unterkunft bei sehr lieben Menschen! Das La Gozitaine erfordert für eine Buchung eine Mindesaufenthaltsdauer von 3 Nächten und das Doppelzimmer ist ab 180 EUR zu bekommen. Da es nur vier Zimmer gibt, sollte man hier frühzeitig buchen.

Besonders gespannt bin ich immer auf die landestypische Küche eines Ortes an dem ich vorher noch nicht war und natürlich hatte ich mich im Vorfeld erkundigt was es auf Malta so für Leckererein gibt. Die maltesische Küche hat deutliche italienische und arabische Einflüsse; auch die Briten haben hier ihre Spuren hinterlassen. Typisch maltesisch und zudem sehr lecker, günstig und an jeder Ecke zu bekommen sind Pastizzi.

Pastizzi mit Ricotta

Das sind kleine Blätterteigteilchen, die traditionell mit Ricotta oder gestampften Erbsen gefüllt werden, es gibt sie aber auch mit Hühnchen. Man bekommt sie zum Frühstück in fast jedem Lokal, in den zahlreichen Pastizzerias sind sie aber den ganzen Tag über zu bekommen und kosten meist zwischen 25 und 50 Cent das Stück.  Sie werden i.d.R. aber morgens frisch gebacken und schmecken dann am besten. Das maltesische Frühstück besteht meist nur aus einem Cappucino und einem Pastizzi oder einem süßen Teilchen und kostet zusammen oft nicht mehr als 2 Euro. Man bekommt aber auch fast überall ein klassisches, deftiges English Breakfast.

Das Essen in den Restaurants ist preislich ähnlich wie in Deutschland; Pizza und Pasta sind jedoch etwas günstiger als hier. Fangfrischer Fisch ist in Restaurants überraschend teuer, was mich sehr gewundert hat, weil es hier sehr viel traditionellen Fischfang gibt und das oft bedeutet, dass Seafood günstig angeboten wird. Probieren solltest du dennoch unbedingt "Lampuki" (Goldmakrele), das ist der Nationalfisch Maltas und man bekommt ihn nur zu einer bestimmten Zeit im Jahr (August - Dezember), weil die Schwärme dann auf ihrem Weg zum Atlantik an Malta vorbeikommen und die Fische dann genau die richtige Größe haben.

Cappucchino & maltesische Patisserie
Das maltesische Nationalgericht ist Fenek (Kaninchen); man isst es als Schmorgericht, aber es gibt auch Pasta-Varianten, z.B. eine Art Bolognese (al Ragu) mit gezupftem Kaninchenfleisch - sehr lecker!
Was wirklich günstig ist, sind Getränke. Einen Cappucino gibt es ab 1,80 EUR, ein lokales Bier ab 1,50 EUR. Unbedingt probieren: Maltas Kult-Limonade "Kinnie" - eine bessere Erfrischung an heißen Tagen gibt es für mich nicht. Es ist eine Limonade aus Orangen und Kräutern und schmeckt wie eine Mischung aus Aperol und Almdudler finde ich; nicht zu süß und ganz ganz leicht bitter.

Ebenfalls hier hergestellt wird ein spezieller, sehr aromatischer Ziegenkäse. Es gibt mangels Weideland nicht viel Viehwirtschaft auf Malta und Gozo, daher werden Kuhmilchprodukte eher importiert. Aber den typischen Ziegenkäse produziert auf Malta praktisch jeder der eine Ziege hat und man kann ihn ganz authentisch in den vielen kleinen Büdchen überall kaufen, die auch Obst und Gemüse anbieten. Hauptsächlich gibt es ihn in zwei Varianten zu kaufen; pur oder in Essig und Pfeffer eingelegt. Ich mag den puren am liebsten, er ist milder. Es ist ein fester Käse, da er getrocknet wird, aber im Kühlregal gibt es auch eine cremige Variante. Ich empfehle in einem traditionellen maltesischen Restaurant eine "Maltese Platter" zu bestellen, eine Platte (ähnlich wie Antipasti) mit landestypischen Spezialitäten wie Käse, Wurst, getrockneten Tomaten, Pasten, Oliven, etc. Alles vor Ort produziert.

Gassen in Valletta
Der letzte Punkt, der Malta für mich zu einem perfekten Ziel für Individualreisen macht, ist die Vielzahl an Aktivitäten, die man hier kostenlos ausüben kann. Die Städtchen sind wunderschön und
z.B. durch die Gassen von Mdina oder Valletta zu flanieren, ist wie ein Besuch in einem kostenlosen Open-Air-Museum. Dazu kommt die atemberaubende Natur, besonders an den Küsten. Malta und Gozo sind durch ein dichtes Netz an Wanderwegen erschlossen und bieten Routen in unterschiedlicher Schwierigkeit. Ich bin einen großen Teil des Gozo Coastal Walk gegangen; hierzu wird es noch einen gesonderten Post geben.
Das kristallklare Wasser mit dem großen Artenreichtum bietet zudem ein tolles Schnorchelerlebnis - Malta ist auch ein Hotspot für Taucher, falls dich so etwas interessiert. Ich war mit Kamera, Taucherbrille und Wanderschuhen allerdings schon gut genug ausgerüstet um jeden Tag etwas zu tun zu haben.


Natürlich gibt es auch Sehenswürdigkeiten und Aktivitäten, die Eintrittspreise verlangen, z.B die Tempelanlagen in Tarxien und Co. oder Bootstouren zur Blue Lagoon auf Comino. Aber auch das ist alles nicht überteuert und lohnt einen Besuch.
Mein persönliches Highlight war definitiv die Stadt Mdina, die nicht nur einer der Drehorte der Serie Game of Thrones war, sondern auch einfach nur wunderschön ist und zusammen mit ihrer Zwillingsstadt Rabat perfekt für einen Tagesausflug ist. Auch Valletta hat mir unglaublich gut gefallen, allein für diese Stadt kann man schon mehrere Tage einplanen.

 



Mdina - die stille Stadt

Mein Fazit:
Malta ist ein absolut unterschätztes Reiseland, welches viele vielleicht aufgrund seiner geringen Größe, nicht auf dem Radar haben. Hier kann man jede Art von Urlaub machen - sei es allein mit dem Backpack oder als Familie im gehobenen Resort. Nur etwas Vorplanung sollte man einkalkulieren, da es gerade in der Hauptsaison vor Ort knapp werden könnte mit den verfügbaren Unterkünften - Wobei ich das jetzt im Nachhinein auch nicht mehr ganz so kritisch sehe wie vorher.
Mit Englisch kommt man überall dort zurecht, da dies neben dem Maltesischen die zweite Landessprache ist. Die Infrstruktur ist super - insbesondere der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs. Essen und Trinken sind preislich insgesamt eher günstig bis moderat und bieten ein breites Spektrum - viele Lokale haben auch vegane Optionen.
Als alleinreisende Frau habe ich mich jederzeit sicher und gut aufgehoben gefühlt; ich wurde nur einmal angesprochen und das war abends am Busbahnhof in Valletta - das wäre allerdings am Hauptbahnhof Dortmund wahrscheinlich genauso passiert. Aber aufdringlich war niemand - ganz im Gegenteil: ich habe die Einheimischen als sehr freundlich, höflich, aufgeschlossen und gastfreundlich erlebt.

Schwimmen im kristallklaren Meer


Aufgrund seines milden Klimas ist Malta das ganze Jahr zu bereisen, ab Oktober purzeln zudem die Preise für die Unterkünfte, weil dann die Hauptsaison zuende ist - warm genug zum baden ist es dann aber immernoch. Es regnet fast nie und meistens nur im Winter, also hat man eigentlich eine Schönwetter-Garantie.

Malta und Gozo sollten auf deiner Bucketlist also auf keinen Fall fehlen!


P.S. Reiseadapter nicht vergessen! In Malta werden Steckdosen britischen Standards verbaut.


Dienstag, 18. Februar 2020

How to pack my back - nachhaltiger und mit leichterem Gepäck reisen

Fernreisen und Nachhaltigkeit - das sind angesichts der langen Strecken, die mit dem Flugzeug zurückgelegt werden, zwei Themen die sich per se nicht so gut miteinander vereinbaren lassen. 

Ich denke viel darüber nach, was ich eigentlich der Umwelt durch diese Reisen antue und ich bin im Zwiespalt - auf der einen Seite will ich die Welt sehen und dafür benötige ich nunmal Flüge, aber auf der anderen Seite, will ich meinen ökologischen Fußabdruck so klein wie möglich halten. So habe ich für mich den Weg gewählt, dass ich zumindest keinen Müll in ein Land reinbringe, wenn ich ihn auch vermeiden kann.

Der zweite Punkt ist, dass ich mit dem Rucksack unterwegs bin und den trage ich auf meinem Rücken - ich habe also kein Interesse daran, dass das Ding schwerer ist als unbedingt nötig.

Wenn ich an meine erste Rucksackreise zurückdenke, kann ich nur noch mit dem Kopf schütteln über das was ich alles mitgeschleppt habe. Ich meine, ich hatte ein Glätteisen dabei. Ein Glätteisen für Thailand, ein Land dessen Luftfeuchtigkeit jeglichen Versuch einer Frisur zunichte macht. Glaubt mir einfach wenn ich sage, dass ihr das Teil zuhause lassen könnt.

Ich möchte euch hier also ein paar Hack verraten, wie ihr in eurem Rucksack Platz und Gewicht sparen könnt und gleichzeitig auch noch etwas für Nachhaltigkeit und Müllvermeidung tut. Die Tipps gelten sicher nicht für jedes Land der Welt aber für Südostasien, und insbesondere Thailand seid ihr damit bestens gerüstet:


Hack 1
Das ist der einfachste und naheliegenste Tipp: Nehmt nur das Nötigste an Kleidung und Ausrüstung mit. Wenn ihr in Asien unterwegs seid - insbesondere Thailand- habt ihr an jeder Ecke die Möglichkeit, für kleines Geld eure Kleidung waschen, trocknen und bügeln zu lassen. Ihr gebt eure schmutzige Wäsche ab und bekommt sie i.d.R spätestens am nächsten Tag zurück. Das Ganze kostet je nach Region zwischen 20 und 40 Baht pro Kilo, also umgerechnet etwa 50 Cent  bis 1 Euro. Ihr braucht also nicht Kleidung für 3 Wochen mitzunehmen, es reicht vollkommen, euch für eine Woche auszustatten und dann zwischendurch zu waschen. Außerdem unterstützt ihr damit die lokalen Geschäfte und kommt in Kontakt mit den freundlichen Einheimischen. Ihr müsst dafür auch überhaupt nicht perfekt Englisch sprechen; die Inhaber der Wäschereien wissen bestens Bescheid, selbst wenn ihr einfach nur wortlos eure Tüte mit Wäsche übergebt. Ein freundliches Lächeln reicht vollkommen, also keine Scheu.


Hack 2
Buy local. Ich nehme nur sehr wenige Produkte aus Deutschland mit, wenn ich nach Asien reise, da es dort sowieso alles im 7/11-Supermarkt zu kaufen gibt. Das Einzige was ich niemals in Asien kaufe ist Sonnenschutz, denn der wird dort auch importiert (z.B. Produkte von NIVEA) und ist wahnsinnig teuer. Die einheimischen Produkte enthalten oft Bleiche, da weiße Haut in großen Teilen Asiens zum Schönheitsideal gehört. Wir Europäer wollen aber braun werden - etwas das z.B. die Thais überhaupt nicht nachvollziehen können :D Also Finger weg von einheimischen Produkten wie Sonnenschutz oder Gesichtscremes. Mittel mit Bleiche erkennst du beispielsweise an Aufdrucken wie "Snail White".

Zwei lokale thailändische Produkte kann ich aber in Sachen Hautpflege (besonders nach dem Sonnenbad) total empfehlen: hausgemachtes Kokosöl und Aloe-Vera-Gel. Kokosöl wird von vielen Locals selber hergestellt und in kleinen Fläschchen am Straßenrand und auf Märkten verkauft; oft in recycelten Red-Bull-Flaschen. Es kostet nur ein paar Cent und ist von sehr hoher hoher Qualität, da es rein natürlich hergestellt wird. Das Aloe-Vera-Gel kann man im 7/11 kaufen, es ist ebenfalls 100% natürlich und wird in einer grünen Dose verkauft. Mehr als diese beiden Produkte braucht ihr eigentlich nicht für die after Sun Pflege.

Mückenschutz könnt ihr auch bedenkenlos vor Ort kaufen. Es ist wesentlich günstiger als in Deutschland und hat sogar oft noch einen höheren Deet-Anteil, also besseren Schutz gegen Moskitos. Den solltet ihr auch ernst nehmen, denn noch weniger als Malaria wollt ihr Dengue-Fieber haben!

Was eure Reiseapotheke betrifft, kann ich euch sagen, dass ihr Paracetamol/Ibuprofen und diverse Elektrolyte frei im Supermarkt vor Ort kaufen könnt und auch Breitband-Antibiotika rezeptfrei in jeder Apotheke bekommt. 

 

Hack 3
Einwegprodukte vermeiden. Gerade im kosmetischen und hygienischen Bereich verwenden wir täglich viele Einwegprodukte, die sich problemlos durch nachhaltige Mehrweg-Alternativen ersetzen lassen. Einwegprodukte sind teurer, produzieren Müll und nehmen viel Platz im Rucksack weg. 

Meine TOP 3 der nachhaltigen Produkte:

- Gesichtsschwämmchen und -seife statt Wattepads und Abschminktücher
- Menstruationstasse statt Tampons
- LastSwab statt Q-Tips

 

Hack 4
Die leichtere Alternative wählen. Am besten spart man Platz und Gewicht, wenn man auf Produkte ohne große Umverpackung umsteigt. Und auf feste statt flüssige Produkte. Besonders nahelegen möchte ich euch feste Duschgels, Shampoos, Conditioner und Gesichtsseifen. Als Gesichtsseife benutze ich immer die Olivenseife aus dem dm und als festes Shampoo/Conditioner kann ich euch die Produkte von Ben&Anna empfehlen.


Ein Shampoo wiegt nur 60 Gramm, damit habt ihr einiges an Platz und Gewicht gespart. Ihr könnt sie online bestellen oder in Denn's Bio Supermarkt kaufen. Ich packe immer alle meine Seifen etc. zusammen in eine kleine Tupperdose und meist passt auch noch ein kleines Waschläppchen mit rein, so habe ich sie möglichst kompakt und platzsparend im Rucksack verstaut.

Ebenfalls super finde ich die Zahnpasta-Tabs von Lush. Der Vorteil (wie von allen festen Produkten) ist, dass euch kein Missgeschick im Rucksack passieren kann. Wem schonmal etwas ausgelaufen ist, weiß wovon ich spreche. Außerdem könnt ihr die Tabs sogar für die geplanten Reisetage abzählen und genau die Menge mitnehmen wenn ihr wollt. Ansonsten wiegt die ganze Flasche Tabs aber auch insgesamt nur 50 Gramm. Trockene Zahnpasta ist erstmal ungewohnt, aber ich schwöre dtrauf - gebt ihr eine Chance! Meine Lieblingssorte ist BOOM! - die schmecken nach Cola und Zitrone und machen außerdem durch Aktivkohle auf natürliche Weise die Zähne weiß.




Hack 5
Microfaser!!! Wenn ihr auch zu den Leuten gehört, die nie ohne eigenes Handtuch verreisen, dann spart euch wenigstens das schwere und langsam trocknende Frottee-Tuch und legt euch eins aus Microfaser zu. Ein mittelgroßes reicht, denn selbst die billigsten Hostels auf der Welt stellen euch frische Handtücher zur Verfügung, ihr braucht ein eigenes hächstens dafür um es mit zum Strand zu nehmen und mit einem Microfaser-Handtuch seid ihr besser dran als mit einem aus Frottee. Es lässt sich kleiner und leichter falten, Sand hängt nicht so drin fest und es trocknet schneller. Ich habe eines von Decathlon, was mich auf Reisen zuverlässig begleitet.

Aus Microfaser sind auch einige meiner Kleidungsstücke, das hat sich besonders beim Trekking mit hohen Temperaturen und hoher Luftfeuchtigkeit bewährt.

Hack 6
Vermeidet Unnötiges. Das ist leichter gesagt als getan, denn um zu wissen, was unnötig ist, muss man erstmal die Erfahrung vor Ort gemacht haben und sehen was man alles nicht gebraucht hat. Nach meiner ersten Thailand-Reise habe ich festgestellt, dass ich die Hälfte von dem was ich mitgenommen hatte, gar nicht gebraucht habe. Entweder weil es fehl am Platz war oder weil es vor Ort bessere Alternativen gab. Zu den Dingen die ich niemals (wieder) mitnehmen würde gehören: Glätteisen, Reisefön, Trinkflasche (in Länder wo man das Wasser aus der Leitung eh nicht trinken kann), Handtücher, Abendgarderobe, Spiegelreflexkamera (außer du bist Profifotograf*in, ansonsten tuts auch ein gutes Handy + Software/ zum Thema Reisefotografie mache ich noch einen separaten Post), Unmengen an Kleidung und Kosmetik, Bettwäsche...Ja, mir sind auf Reisen Menschen begegnet, die eine eigene Garnitur Bettwäsche dabei hatten, weil sie dachten, es gäbe vor Ort keine.

Hack 7
Achtsamkeit und Langsamkeit. Der letzte Hack bezieht sich auf das Reisen vor Ort. Nutzt -wenn möglich- lokale Fortbewegungsmittel wie Sammeltaxis oder geht gleich zu Fuß. Ihr werdet nicht nur mehr von der Gegend sehen, sondern spart auch Geld und schont die Umwelt, wenn nicht für jeden Weg ein eigenes Taxi oder gar der Mietwagen genommen wird. Wenn ich auf Koh Phangan bin, miete ich zum Beispiel keinen Roller mehr, sondern ein Montainbike - es fahren dort wirklich genug Roller herum, da muss ich nicht mitmachen. Es ist Urlaub und keine Flucht und es ist in Ordnung wenn ich für den Weg ins Dorf 15 Minuten statt 5 brauche. Ansonsten ist auf dem thailändischen Festland und insbesondere in Bangkok die App Grab eine super Alternative zum Taxi und TukTuk, da es euch auch vor Abzocke und Betrug schützt und die Fahrten günstiger sind.

Ich nutze auf meinen Reisen übrigens zudem immer die kostenlose Kreditkarte von der DKB, mit der man sehr unkompliziert überall Bargeld abheben kann.

Montag, 12. August 2019

Backpacking - eine Glaubensfrage?

Backpacking ist mehr als nur das Reisen mit einem Rucksack. Wenn man 100 Backpacker fragt, wird man wahrscheinlich 100 verschiedene Antworten auf die Frage bekommen, was Backpacking eigentlich ausmacht und ab wann man sich als Backpacker bezeichnen "darf". Ja, es scheint fast eine Glaubensfrage zu sein.

Ich habe natürlich auch meine eigene Meinung dazu und dies ist der Versuch, den Themenkomplex "Backpacking" ein Stück weit zu entmystifizieren. Man muss weder Mitte 20, noch ein Hippie oder Aussteiger sein, um das Abenteuer Backpacking zu wagen.

Wie der Name sagt, geht es offenbar um das Reisen mit Rucksack. Reisen mit Koffer kann also de facto kein Backpacking sein. Aber Backpacking ist auch eine Lebenseinstellung, es geht um Entschleunigung, Mobilität, Abenteuerlust, die kleinen Dinge, den Verzicht auf unnötigen Luxus und um Freiheit. Geht das nicht auch mit einem Koffer? Ich habe auf meinen Reisen viele Menschen getroffen, die das wehement mit Nein beantworten würden. Ich sehe das inzwischen etwas differenzierter. Meine ersten beiden großen Fernreisen habe ich im Reisebüro gebucht und mit Koffer bestritten - Backpacking war damals überhaupt noch kein Thema für mich. Rückblickend würde ich heute aber sagen, dass ich unbewusst schon sehr viele grundlegende Backpacking-Aspekte erfüllt habe, einfach durch die Art wie ich intuitiv gereist bin.

Meine erste Reise führte mich 2014 im Alter von 31 Jahren nach Neuseeland. Heute bezeichne ich dies als meine erste "richtige" Reise, denn erstmals war ich als Erwachsene allein außerhalb von Europa. So weit weg war ich zuvor noch nie. Ich packte also einen riesigen Koffer (einen Backpack hatte ich damals noch nicht) und flog nach Auckland, wo ich einen Bekannten meines Bruders traf, der mich auf der Reise begleiten sollte.
Die erste Nacht verbrachten wir im Hostel, am nächsten Tag holten wir unseren Campervan von Travellers Autobarn ab und dann gings auch schon los. Weder Instagram noch der inzwischen sehr populäre Hashtag #vanlife waren damals ein Ding und dennoch haben wir genau das getan.
Wir fuhren also los, orientierten uns vage an der Küstenlinie, hielten immer wieder mal an, wenn wir etwas Spannendes sahen und blieben mal eine und mal zwei Nächte an einem Ort.

Eine festgelegte Etappe gab es im Vorfeld nur ganz grob - wir entschieden jeden Tag spontan wie weit wir fahren und wo wir übernachten würden. Von komfortablen Holiday Parks bis zu verlassenen Campingplätzen ohne Strom, fließend Wasser (Plumsklo lässt grüßen) und anderen Menschen war alles dabei. Nach fast 4 Wochen, unzähligen eiskalten Duschen, durchgefrorenen Nächten (es war Frühlingsanfang in Neuseeland), sehr viel Landschaft, zeitweise sehr wenig Kontakt mit der Zivilisation und jedem nur erdenklichen Wetter hatten wir die Nordinsel einmal umrundet.

Mein Fazit dieser Reise war, dass ich mit sehr wenigen Dingen sehr gut klarkommen kann. Verzicht auf Komfort und Luxus war überhaupt kein Problem für mich. Mein Koffer war wie ein mobiler Kleiderschrank, er lag die ganze Zeit im Van und wurde nie von A nach B bewegt - ein Rucksack hätte das gleiche Schicksal gehabt, also wo lag der Unterschied zum Backpacking? Aus meiner heutigen Sicht gibt es keinen, wenn man den ideologischen Ansatz der Freiheit und Mobilität wählt.

Der Grundstein war nach Neuseeland gelegt und so kam es für mich auch bei meiner zweiten "richtigen" Reise nicht in Frage, die gesamte Zeit an einem Ort oder gar in einem einzigen Resort zu bleiben. Sie führte mich 2017 nach Thailand. Im Übrigen der Anfang einer großen Liebe zu diesem Land, worüber ich zu einem späteren Zeitpunkt noch ausführlicher berichten werde.
Auch diese Reise habe ich aber im Reisebüro gebucht, ich war noch nicht so weit alles selber zu organisieren und wusste auch noch nicht, wie einfach es tatsächlich ist. Die Umstände vor Ort belehrten mich aber schnell eines Besseren.
Mein Ziel war Koh Samui, hier wollte ich 2 Nächte bleiben und dann nach Koh Phangan rüber, von wo aus ich dann auch Koh Tao erkunden wollte. Flüge, Transfer, Fähre und Unterkünfte buchte ich im Vorfeld für die gesamte Reise. Ich reiste allein, knüpfte aber vorher über eine Facebook-Gruppe Kontakte zu einigen anderen Leuten, die zur gleichen Zeit dort waren und mit denen ich mich dort treffen wollte.
Schon als ich auf Koh Samui ankam und mein Transferfahrer mit einem Schild auf dem mein Name stand, vor dem Flughafen auf mich wartete, fühlte sich das alles irgendwie völlig falsch an. Vor, hinter und neben mir verließen lauter fröhliche, sympathisch wirkende Menschen mit großen Rucksäcken den Flughafen; sie machten sich zu Fuß auf den Weg oder winkten sich Taxis heran. Außer mir zogen nur ältere Ehepaare, alleinreisende Männer mittleren Alters (*hust hust*) und Familien ihre Koffer in Richtung Shuttle-Transfer. Irgendwie kam ich mir total komisch vor; spießig und als hätte ich keine Ahnung was ich hier eigentlich tue.
Nachdem mich der Fahrer nach nichtmal 10 Minuten Fahrt an meiner Unterkunft absetzte war mir dann auch klar, dass ich mir diesen vorgeplanten Teil der Anreise hätte sparen können.
Die Unterkunft gefiel mir, auch wenn alles anders war als ich es mir vorgestellt hatte. Es war einfach - wie vieles in Thailand, mein Zimmer war schlicht, die Klimaanlage tropfte, aber ich hatte eine kleine Veranda und Blick auf den Pool, der nicht gereinigt war und in dem lauter Laub schwamm. Egal, ich war in Thailand! Nachdem mein Kopf dann auch richtig angekommen war und ich mit einer Tasse Instant-Kaffee auf der Veranda saß, dämmerte es mir bereits, dass ich mehr will. Mehr Freiheit, mehr Unabhängigkeit, mehr Abenteuer. Und ich wollte nicht die geplanten 2 Nächte auf Koh Samui bleiben, ich wollte direkt rüber nach Koh Phangan.

Also machte ich mich am nächsten Tag vorzeitig auf den Weg, ließ die verbliebene und bezahlte Nacht sausen, sowie den gebuchten Transfer auf die Nachbarinsel und begab mich auf eigene Faust zum
nächsten Fähranleger. Auf Koh Phangan hatte ich das Glück, dass in der Anlage, wo ich meine Unterkunft gebucht hatte, noch eine Bambushütte frei war, in die ich übergangsweise für eine Nacht ziehen konnte. Das ließ sich alles sehr unkompliziert vor Ort klären; das war ich natürlich aus Deutschland überhaupt nicht gewohnt aber ich merkte dadurch schnell, dass die Uhren hier anders ticken. Ab diesem Moment ließ ich mich nur noch treiben, ich machte mir nichts mehr aus meinen Plänen sondern ließ alles auf mich zukommen; auch Koh Tao erkundete ich nicht - da kam mir ein Hund dazwischen (auch darüber werde ich noch ausführlicher berichten) und es war okay so.

Ich traf tolle Menschen, nahm jeden Tag so an wie er kam und hatte zum ersten Mal ein richtiges Gefühl von Freiheit.
Ab dieser Reise wurde das Thema Backpacking für mich ein Ding. Durch die Menschen die ich in ihrem Verhalten und ihrer Art zu reisen beobachtete und kennenlernte, die Gegebenheiten vor Ort und den großen Wunsch nach freien und spontanen Entscheidungen wusste ich, dass ich ab sofort nie wieder so reisen wollen würde wie bisher. Es war das letzte Mal, dass ich einen Koffer für eine weite Reise packte; den gibts seitdem nur noch für kurze Trips.

Mein Fazit ist, dass viele gute Gründe für das Reisen mit Rucksack sprechen - die ich an anderer Stelle noch erläutern werde. Was aber viel wichtiger ist als die Art des Gepäckstücks, ist die Einstellung zu sich selber und zum reisen. Alles was ich bis heute auf meinen Reisen gelernt habe, die Menschen die mir begegnet sind und die Orte die gesehen habe, die Art wie ich das Leben der Einheimischen kennenlernen durfte - all das wäre nicht möglich gewesen, wenn ich mich nicht aus meiner Komfortzone begeben hätte. Den Koffer gegen einen Rucksack zu tauschen ist nur ein kleiner und fast zu vernachlässigender Schritt - es hat für mich vor allem praktische Gründe.
Der viel größere Schritt, aus dem so viel Neues und Spannendes erwächst ist der des Nichtplanens. Hab den Mut neue Wege zu gehen, lass alte Denkmuster und Ansprüche los; lerne zu verzichten und mit dir allein zu sein und du wirst am Ende nicht die große Katastrophe finden sondern nur eines: dich selbst in deiner vielleicht besten Version.



Dienstag, 5. Juni 2018

Rom in 5 Tagen - Tag 5/5

Und so beginnt er nun, dein letzter Tag in Rom. Wenn du dich an meine Tagestouren gehalten hast, hast du bis hierhin schon so viel gesehen, bist in mehr als 2000 Jahre Geschichte eingetaucht und hast viel mehr Hintergrundinformationen erhalten, als du in einem, handelsüblichen Touristenguide je hättest finden können.  Natürlich gibt es noch so viel mehr zu sehen, auch vieles was ich selber noch nie geschafft habe zu besuchen. Deswegen treibt es mich wohl auch immer wieder her…nur ein einziges Mal für 5 Tage nach Rom? Das geht nicht! Man braucht so viel Zeit um hier alles zu sehen und zu begreifen. Es gibt so vieles zu wissen, so viele Zusammenhänge. In Rom ist alles seit je her und auf ewige Zeiten miteinander verflochten, das hast du wahrscheinlich schon gemerkt. Deinen letzten Tag kannst du ungezwungen angehen und solltest dich nochmal so viel wie möglich draußen aufhalten. Noch ein letztes Mal die tolle Stimmung der Straßen Roms aufsaugen bevor es zurück nach Hause geht.

Kaiserforen

Als du im Forum Romanum warst, hast du sie schon von Weitem gesehen aber nun betrachten wir sie etwas genauer: die Römischen Kaiserforen. Welche Funktion und Bedeutung ein Forum hatte, habe ich ja bereits geschildert. Die Kaiserforen vor denen wir jetzt stehen sind im Grunde eine Erweiterung des Forum Romanums, welches zuerst da war. Die Kaiserforen sind erst gegen Ende der römischen Republik gebaut worden, denn das Kaisertum war nicht immer die vorherrschende Staatsform der Antike und zunächst gab es die römische Republik in der der Senat das Sagen hatte. 

Römische Kaiserforen

Mit der Etablierung des Kaisertums wurde der Bedarf an weiteren Foren deutlich. Die heutigen Kaiserforen bestehen aus vier einzelnen Foren, die aneinander anschließen: Cäsarforum, Augustusforum, Nerva-Forum und Trajansforum. Cäsar war von diesen Kaisern der erste, der der Forderung nach einem neuen und moderneren Forum nachgab und die Erweiterung begann. So wurden nach und nach weitere Foren angeschlossen und der Ausbau endete mit dem Trajansforum, dem zugleich größten und prächtigsten von allen. Es ist auch von allen am besten erhalten. Der Bau dieses Forums war ein Mammutprojekt, denn eigentlich war in dieser zentralen Lage kein Platz für das was sich Trajan vorstellte, auf den nahegelegenen Hügel wollte er mit seinem Forum allerdings auch nicht ausweichen und so entschied er sich, Teile des Hügels einfach abtragen zu lassen, sowie etliche umliegende Häuser einzuebnen, so dass der gewaltige Bau Platz fand.

Die Bögen die man heute noch sehen kann, sind die sogenannten Trajansmärkte. Auf insgesamt 6 Stockwerken gab es hier zahlreiche Läden und Tavernen. Es muss beeindruckend ausgesehen haben; der weiße Marmor, mit dem alles verkleidet war und davor all die bunten Waren: Gewürze, Stoffe und vieles mehr. Hundert Menschen die sich tummeln, Marktschreier, die ihre Produkte anpreisen.


Tranjansmärkte
Ein richtiges antikes Einkaufszentrum wenn man so will - eine Shopping-Mall. Aber es gab wohl auch Verwaltungseinheiten die hier untergebracht waren. Insgesamt alles sehr groß, sehr beeindruckend und sehr modern. Ab dem Mittelalter wurden die Trajansmärkte als Festung. Kloster oder Kaserne genutzt; heute befindet sich darin ein Museum in dem ich aber selbst auch noch nicht war.

Trajanssäule

Ein kleiner Blick nach links genügt und wir sehen das wohl beeindruckendste Überbleibsel des Trajanforums, und zwar die Trajanssäule. Sie steht heute immer noch unverändert  an ihrem ursprünglichen Aufstellungsort und ist eine Ehrensäule die 112/113 n.Chr. zu Ehren Kaiser Trajans errichtet wurde. Der römische Senat gab sie seinerzeit in Auftrag um Kaiser Trajan für seinen Ausbau der Foren zu würdigen. Im Vergleich zu anderen Säulen, derer es ja viele in Rom gibt, fällt hier direkt auf wie detailliert sie gestaltet ist. Die Säule ist mit einem umlaufenden Relief gestaltet, welches Kriegsszenen zeigt. Kaiser Trajan ist allein rund 60 mal in dem Relief dargestellt. Außerdem haben neuere Untersuchungen ergeben, dass es einst farbig ausgestaltet war, so wie fast alles aus der Antike – ich erzählte es bereits. 

 

Trajanssäule vor dem Nationaldenkmal Vittorio Emanuele II.
Und auch hier fällt es mir wieder schwer mir die Säule quietschebunt vorzustellen. Das einzige was an der Säule nicht mehr original ist, ist die Figur obendrauf; die hat im 16. Jahrhundert ein Papst draufgesetzt, nachdem die ursprüngliche Figur – eine goldene Statue Trajans- im Mittelalter eingeschmolzen und für irgendwas anderes wiederverwendet wurde. Typisch römisches Recycling eben.

Die Säule ist übrigens nicht aus einem Stück. Sie besteht aus mehreren übereinandergesetzten Blöcken, die ursprünglich bleiverplombt waren. Außerdem ist sie innendrin hohl und beherbergt eine Wendeltreppe, über die antike Besucher eine Plattform erreichen konnten von der aus sie einen guten Blick auf das anliegende Forum hatten. Zudem war im Sockel der Säule die Asche des Kaisers untergebracht. Heute kann man nicht mehr in der Säule hinaufsteigen; ich finde die Vorstellung auch irgendwie ziemlich beklemmend. Da die Menschen in der Antike aber wesentlich kleiner waren als heute, schien das kein Problem zu sein.

Aber es gibt an deinem letzten Tag noch eine andere Möglichkeit, ein letztes Mal über die Dächer Roms zu blicken, da du die Trajanssäule nicht hinaufkannst und sie dafür eh nicht mehr hoch genug ist, bzw. das heutige Rom ist viel zu groß für sie. Das Gebäude, welches dir aber einen tollen Ausblick über die Kaiserforen und das antike Zentrum bietet, ist nicht zu übersehen. Es befindet sich direkt gegenüber der Foren und wird von den Römern liebevoll „Die Schreibmaschine“ genannt wird – ein sehr passender Vergleich wie ich finde…

Monumento a Vittorio Emanuele II.

…das  Nationaldenkmal des Vittorio Emanuele II. Ich werde hier nicht viel darüber schreiben, weil ich auch nicht viel darüber weiß, außer dass das Monument dem ersten König des neugegründeten Königreichs Italien gewidmet war und nach seinem Tod in Auftrag gegeben wurde. Ich finde es hässlich – wie die meisten Römer übrigens auch, aber es erfüllt seinen Zweck, wenn man eine schöne Aussicht auf Rom haben will. Ich war einmal oben und wenn ich mich recht entsinne gibt es einen Aufzug und oben einen Gastronomiebetrieb. Schließe hier deine Reise bei einem Aperol Spitz ab und genieß ein letztes Mal die Aussicht bevor du dich auf den Weg zum Flughafen machen musst

 

Ich hoffe, dass dir mein kleiner Reiseführer gefallen hat. Ich selbst war zwar schon viele Male in Rom, habe aber immer noch so einige Punkte auf meiner Bucket List, die ich noch machen muss. Ich bin zum Beispiel noch nie die Via Appia gewandert oder in Ostia im Meer gewesen. Man kann wahrscheinlich sein halbes Leben in Rom verbringen und hat dennoch nicht alles gesehen.